Unternehmensgründung in den Vereinigten Arabischen Emiraten: Die Wahl des richtigen Standortes

Veröffentlicht am 27.10.2026

Sofern Sie die Gründung einer Gesellschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten ("VAE") planen, stehen Sie bereits zu Beginn vor einer wichtigen Entscheidung: Welcher Standort ist für das geplante Unternehmen am geeignetsten? Für die Frage, ob die Gesellschaft im Staatsgebiet oder in einer Freihandelszone gegründet werden soll, spielen unter anderem die künftigen Tätigkeiten, spezifische Lizenzanforderungen und steuerliche Aspekte eine maßgebliche Rolle. Welche Möglichkeiten Ihnen zur Verfügung stehen und welche Gesichtspunkte Sie bei der Standortwahl für die Gründung Ihrer Gesellschaft berücksichtigen sollten, erfahren Sie im folgenden Beitrag:

Auswahl des passenden Emirats

Die VAE sind eine Föderation aus sieben Emiraten: Abu Dhabi, Dubai, Sharjah, Ajman, Umm Al Quwain, Ras Al Khaimah und Fujairah.

Allgemein ist zwischen der föderalen, also der emiratsübergreifenden Ebene und der lokalen, also ein einzelnes Emirat betreffenden Ebene zu unterscheiden. Je nach Rechtsgebiet bestehen in beiden Bereichen unterschiedliche Gesetzgebungskompetenzen. Bei der Gründung einer Gesellschaft in den VAE sind daher sowohl föderale als auch emiratsbezogene Regelungen zu berücksichtigen. Dies führt dazu, dass sich die rechtlichen Rahmenbedingungen und die administrativen Abläufe zwischen den einzelnen Emiraten unterscheiden können.

Zudem ist zu beachten, dass bestimmte Geschäftstätigkeiten nicht ohne Weiteres von einem Emirat aus in einem anderen Emirat ausgeübt werden können. Während Handel emiratsübergreifend möglich ist, können Reparatur- oder Wartungsarbeiten nicht in einem anderen Emirat vorgenommen werden. Wenn Sie also beispielsweise überwiegend Kunden in Dubai gewinnen und betreuen möchten, kann die Gründung Ihrer Gesellschaft in einem anderen Emirat zu rechtlichen Einschränkungen führen.

Entscheidung zwischen Staatsgebiet und einer Freihandelszone

Innerhalb eines Emirats ist zwischen dem Staatsgebiet (sogenanntes Mainland), den Freihandelszonen (sogenannte Free Zones) und Gebieten, die Offshore-Gesetzgebungen unterliegen, zu unterscheiden. Auch hier bestehen teilweise deutliche Unterschiede hinsichtlich der geltenden Regelungen und Verfahren.

Das Staatsgebiet ist das geografische Hoheitsgebiet eines Emirats, welches nicht als Freihandelszonengebiet ausgewiesen ist. Eine Gesellschaft im Staatsgebiet wird bei der jeweils zuständigen Lizenzbehörde des Emirats registriert.

Eine im Staatsgebiet ansässige Gesellschaft kann einen Import Code für die ihrer Lizenz unterfallenden Waren beantragen und ist dadurch berechtigt, Güter in das Staatsgebiet einzuführen und an Kunden innerhalb der VAE direkt zu verkaufen.

Demgegenüber sind Freihandelszonen speziell ausgewiesene, räumlich abgegrenzte Wirtschaftszonen auf dem Territorium der VAE mit eigenen Behörden. Das Recht der VAE gilt in Freihandelszonen nur eingeschränkt. Vielmehr erlassen die jeweiligen Freihandelszonenbehörden eigene Vorschriften, nach denen sich beispielsweise die Anforderungen an die Gründung einer Gesellschaft oder die Anstellung von Mitarbeitern in der konkreten Freihandelszone richten.

Bei der Einfuhr von Waren in eine Freihandelszone und deren Re-Export in Länder mit Ausnahme der VAE fallen keine Zölle an. Zu beachten ist, dass eine Freihandelszonengesellschaft mittels ihres Import Code Waren nur in die jeweilige Freihandelszone, nicht aber in das Staatsgebiet der VAE einführen kann. Hierzu würde sie einen Vertragspartner benötigen, der über einen entsprechenden Import Code für das Staatsgebiet verfügt.

Freihandelszonen werden häufig in der Nähe von großen Seehäfen und internationalen Flughäfen eingerichtet, also in Gebieten, die zahlreiche geografische Vorteile für Handel und Produktion bieten. Zudem sind Freihandelszonen oft auf bestimmte Branchen zugeschnitten. Die Jebel Ali Free Zone beispielsweise könnte sich aufgrund ihrer umfangreichen Logistik- und Lagerinfrastruktur sowie der direkten Anbindung an den Jebel Ali Port besonders für Sie eignen, wenn Ihr zukünftiges Unternehmen einen hohen Warenverkehr aufweisen wird. Die Dubai Healthcare City ist ein geeigneter Standort für Sie, wenn Ihr Unternehmen in der Gesundheitsbranche angesiedelt ist. Im Dubai Design District bieten sich insbesondere dann günstige Voraussetzungen, wenn Sie in den Bereichen Design, Mode, Architektur oder Kunst tätig sind.

Offshore-Gesellschaften bieten eine der kostengünstigsten Möglichkeiten, ein Unternehmen zu gründen. Indes ist zu beachten, dass es Offshore-Gesellschaften in der Regel untersagt ist, Beziehungen zu Geschäftspartnern in den VAE zu unterhalten. Mithin kommen sie für ein operatives Tätigwerden in den VAE nicht in Betracht.

Herausarbeiten der einschlägigen Geschäftstätigkeiten

Der zentrale Faktor bei der Standortwahl sind die geplanten Geschäftstätigkeiten des neu zu gründenden Unternehmens. Welche Aktivitäten von einer Gesellschaft ausgeübt werden dürfen, richtet sich nach den beantragten, genehmigten und schließlich auf der Lizenz der Gesellschaft aufgeführten Unternehmensgegenständen.

Es ist daher angeraten, bei der Planung möglichst genau zu definieren, welche Leistungen Ihr Unternehmen nicht nur unmittelbar, sondern auch mittel- bis langfristig ausüben soll. Sodann ist zu prüfen, ob die ausgewählten Aktivitäten an dem gewünschten Standort ausgeübt und miteinander in einer Lizenz kombiniert werden können. Für bestimmte Geschäftstätigkeiten gelten zudem erhöhte Anforderungen, beispielsweise an fachliche Qualifikationen, aufzubringendes Stammkapital oder zu stellende Bankgarantien.

Wahl der Rechtsform

Ein weiterer entscheidender Aspekt bei der Standortwahl ist die Rechtsform, in der das Unternehmen gegründet werden soll.

Die von ausländischen Investoren bevorzugte Rechtsform ist die sogenannte Limited Liability Company. Sie ist mit der deutschen GmbH vergleichbar und in unterschiedlichen Ausprägungen sowohl im Staatsgebiet als auch in den Freihandelszonen lizenzierbar. Gleiches gilt für die Rechtsform der Branch, also der unselbständigen Zweigniederlassung einer im Ausland oder in den VAE ansässigen Muttergesellschaft.

Weniger verbreitete Rechtsformen, wie die Aktiengesellschaft oder die Stiftung, können dagegen nicht an allen Standorten in den VAE errichtet werden.

Fazit

Die Wahl des richtigen Standorts innerhalb der VAE ist für Ihr künftiges Unternehmen von entscheidender Bedeutung. Nur wenn die Grundlagen von Anfang an richtig geschaffen werden, können Sie sich nach der Gründung voll und ganz auf Ihr eigentliches Geschäft konzentrieren.

Mithin lohnt es sich, die Unternehmensgründung nicht zu überstürzen, sondern die einzelnen Faktoren sogfältig zu betrachten und die für Ihren konkreten Einzelfall passende Lösung herauszuarbeiten. Ausgangspunkt sollte dabei immer der Unternehmensgegenstand der zu errichtenden Gesellschaft sein.

Haben Sie Fragen?

Wir stehen Ihnen jederzeit für Ihre individuellen Fragen zur Verfügung, gerne in einem persönlichen Gespräch oder per eMail.

Ihr Ansprechpartner

Download

Unternehmensgründung in den Vereinigten Arabischen Emiraten: Die Wahl des richtigen Standortes